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10. Januar 2012

Thomas Überfallen

Sonntag Mittag, die Sonne hat ihren höchsten Stand erreicht, es ist knall-heiß, die Straßen sind leer, es ist noch "Siesta" Zeit (Mittagspause). Thomas möchte sich auf den Heimweg nach Los Chacos machen und wartet auf der Straße vor dem Haus in Santa Cruz auf den öffentlichen Kleinbus ("Micro"). Es tauchen 2 Typen auf mit Sonnenbrillen (ein dritter wartet in einem unauffälligen Wagen) und fragen nach dem Weg. Thomas muß im Haus selber erst nachfragen und geht wieder auf die Straße raus, als ihm einer plötzlich seine Halskette abreißt und er einen Revolverlauf auf seinen Bauch zielen sieht. Die Räuber verlangen sein Handy, Geld und Wertsachen. Da Thomas nahe genug am halbgeöffneten Tor steht, getraut er sich nach Innen zu flüchten, dabei wird ihm noch die Uhr (ein Erbstück von seinem Opa) vom Handgelenk gerissen, aber er ist in Sicherheit und kann das Tor zudrücken. Wir sind Gott so Dankbar für die geschenkte Bewahrung von Thomas. Er hat sich sehr mutig verhalten. Täglich hört man in den Nachrichten von bewaffneten Überfällen aller Art, häufig mit Mord. Santa Cruz ist nicht mehr so sicher wie früher und die Politiker und Bürger sind ratlos, unfähig und immer weniger Herr der zunehmenden Kriminalität.

25. Dezember 2011

Wir melden uns "online"

Mit diesem "post" will ich mich und uns nach 14 Monaten wieder im News Blog zurückmelden! Viele Gründe und die daraus resultierende Zeitnot haben dazu geführt, daß ich den Blog und unsere Internetseite nicht mehr mit Neuigkeiten "up to date" halten konnte. Das soll sich nun wieder ändern!
Hauptgrund ist auch eine durchbrechende Neuigkeit: Mittels einer speziellen Antenne und einem Signalverstärker, haben wir erstmals seit 12 Jahren eine funktionierende und schnelle Internetverbindung in unserem Zuhause auf dem Land. Möglich ist das über das Handynetz (tigo.com.bo) auf das wir mittels USB Modem zugreifen können.
In diesem Zusammenhang möchten wir aufklären: Wir leben derzeit weiterhin im Dorf Los Chacos, 1,5 Autostunden nördlich von Santa Cruz, mittlerweile aber auf unserem eigenen Grundstück (einen Rest der ürsprünglich 27,5 Hektar großen Fläche, die wir 2004 zur Erweiterung des bestehenden landwirtschaftlichen Betriebes dazugekauft hatten), in einem kleinen Häuschen. Der Umbau bzw. Renovierung mit anschließendem Umzug hat länger als geplant gebraucht und war sehr arbeitsintensiv. Wir konzentrieren uns nun auf die Suche eines neuen Standorts für unser Kinderheim in Stadtnähe. Wir sind daher häufig mit dem Auto in der Stadt unterwegs. Derzeit ist ein Objekt in Aussicht und die Kauf-Verhandlungen führt die Direktorin des Kinderheims, Pastora Gladys.
In Santa Cruz haben wir seit Juli 2010 eine kleine Wohnung gemietet, die derzeit mit unseren Kinderheimjungs belegt ist, weil der Verkauf des Kinderheims doch recht unerwartet kam (Mai 2011). Wir haben dort auch ein Bett stehen und können gelegentlich übernachten, allerdings gibt es keinen Platz für unsere zahlreichen Gäste und die Wohnung ist schon mit den Jungs und deren Betreuerin Delina viel zu klein.
Es grüßen herzlich Dorothea und Wolfgang mit Thomas..

28. Oktober 2010

Ein Jahr

Ende Oktober 2009 sind wir nach 9 Monaten Deutschlandaufenthalt wieder in Bolivien angekommen. Inzwischen ist schon wieder ein ganzes Jahr vergangen! Es war eine Zeit, in der wir viele Enttäuschungen erfahren haben. Dennoch sind wir Dankbar und voller Hoffnung, weil Gott keine Fehler macht.
Heute steht die schwere Krankheit meines (Wolfgang) Vaters und die damit verbundene Reise nach Deutschland im Vordergrund.
Gott, der seinen Bund nicht bricht, ist mit uns. Darauf dürfen wir uns stets verlassen.


28. November 2009

Besuch auf einer Farm im Niemandsland

Am Mittwoch hatte Wolfgang die Gelegenheit einen guten Bekannten aus Santa Cruz auf seine Sojabohnenfarm zu begleiten. Nach 6 Stunden Fahrt, die meiste Zeit auf staubigen Erdwegen, sind sie dort angekommen. Die 1500 Hektar umfassende Farm liegt in der fruchtbaren Ebene des "Rio Grande" und gehört dort zu den kleinsten Unternehmungen. Das Klima ist heiß und feucht. Tatsächlich ist das Sojagebiet so weitläufig, daß man Stunden fährt um zur nächsten Farm zu gelangen.

Diese Einsamkeit und weite Entfernung zu Einkaufsmöglichkeiten zwingen zu einer ganz besonderen Wirtschaftsweise und Organisation. So bildet das Zentrum der Farm das "Campamento". Man ist auf Selbstversorgung eingestellt: ununterbrochen brummt ein großer Generator und es werden Schweine und Hühner gehalten, um die Versorgung der 30 bis 40 Arbeiter sicher zu stellen. Gearbeitet während der Ernte und Aussaatzeiten 24 Stunden am Tag in 2 Schichten. Die Männer werden gut versorgt aber dennoch hat jeder eine Kugel an Kokablättern in der Backe, sonst halten sie die Anforderung nicht aus.

Der Besitzer kommt alle 14 Tage hinaus und schaut nach dem Rechten. Ein Verwalter übernimmt die tägliche Anleitung der Arbeiter. Verglichen mit Deutschland ist der Maschienenpark pro Hektar klein. Die Unterhaltung der Maschienen wird durch die weite Entfernung und schlechten Wege sehr erschwert. Auch der Abtransport der Ernte (rund 10.000 Tonnen / Jahr) ist eine teure Angelegenheit. Trotzdem lohnt sich der Anbau unter diesen extremen Bedingungen.

Es war sicher nicht das letzte Mal, daß Wolfgang dort zu Besuch war!

7. November 2009

Wasserrohrbruch

Gleich nach unserer Ankunft Ende Oktober in Los Chacos, ist die Wasserpumpe in unserem Wohnhaus ausgefallen. Kreischende Geräusche lassen auf einen Kugellager-Schaden schließen. Nachdem eine Ersatzpumpe besorgt war, ging es ans Austauschen. Dabei löst sich ein Wasserrohr und es ergießen sich 500 Liter Wasser unaufhaltsam auf den Zimmerboden. Es war Wolfgang nicht ersichtlich, daß der Auslaufstutzen des Vorratstanks bereits angebrochen, jedoch noch dicht war.


Auf den Fotos seht ihr wie Felix, der zur Zeit zu Besuch ist, und Wolfgang den Schaden beheben.

28. Oktober 2009

Wieder in Bolivien

Nach einer 35 stündigen, recht anstrengenden Reise sind wir wohlbehalten und mit allem Gepäck Mittwoch, 28-10-09 16:00 Deutsche Winterzeit in Los Chacos angekommen (in Bolivien war es minus 5h, also 11:00 Uhr Vormittags). Irgendwie ist unsere Seele aber noch unterwegs, denn wir können es schier nicht fassen, daß nun mit unserer Ankunft in Bolivien 9 Monate vorbei sind.

Tatsächlich ist das Empfinden zweigeteilt: auf der einen Seite einfach schön wieder hier, Zuhause zu sein, auf der anderen Seite spüren wir die Ohnmacht gegenüber den wiedrigen Umständen, an die wir uns jetzt erst wieder gewöhnen müssen: es ist heiß und feucht, tausende Fliegen, Käfer und Ungeziefer umgibt uns, Haus und Hof kommen einem dreckig vor und es gibt schon gleich Schwierigkeiten zu lösen. Wie also anfangen? Wir werden eine Zeit der Eingewöhnung brauchen. Somit gibt es genug Günde zum Danken, aber auch um mit Bitten vor den Herrn zu kommen. Wir danken herzlich für alle Gebete.

12. Juli 2009

Auf dem Rücken der Leute - Lastenträger

Unter dem Titel "Bolivien: Mehr als ein Rücken tragen kann" gibt es auf der Internetseite von Arte.tv eine 13 Minütige Reportage (auf Deutsch), die von den Lastenträgern an der Argentinisch / Bolivianischen Grenze im Grenzort La Quiaca berichtet. Einfach auf den Link klicken und ansehen.
Der Beitrag ist sehr lohnenswert und schildert nicht nur Eindrücklich die Situation dort in 3.500 Meter Höhe, sondern man kann die geschilderten Verhältnisse nach unserer Meinung auch auf die Gesamte Situation in Bolivien übertragen.

Noch ein Tip: wenn man mit der rechten Maustaste auf das Videofenster klickt, kann man unter dem Menüpunkt "Zoom" das Bild auf dem ganzen Bildschirm vergrößern (mit der Esc-Taste kann dies dann auch wieder Rückgängig gemacht werden).

31. März 2009

Bolivien im Instabilitäts Ranking vorne

Für den Zeitraum 2009/10 hat die "Economist Intelligence Unit" (Wirtschaftsanalyse Büro) der Wirtschaftszeitung "The Economist" aus England ihre Auswertung über die politische Instabilität von 165 Ländern vorgelegt. Die Punkteskala von 0 (kein Risiko) bis 10 (hohes Risiko) bewertet soziale Unruhen, die Einfluß auf die politische und wirtschaftliche Situation des jeweiligen Landes haben könnten.
Norwegen belegt mit 1,2 den besten, Zimbabwe mit 8,8 den schlechtesten Platz. Deutschland schneidet mit 3,8 auf Platz 150 immer noch gut im Bereich von "low risk" ab.
Bolivien nimmt dagegen den Platz 14 mit 7,7 Punkten klar im Bereich "very high risk" ein (dunkel rot).

Die gesamte Tabelle gibt es unter http://viewswire.eiu.comsite_info.asp?info_name=social_unrest_table&page=noads.
Die Grafik gibt es unter http://viewswire.eiu.comsite_info.asp?info_name=instability_map&page=noads